Die Temperaturen steigen, die Sonne zeigt sich von ihrer stärksten Seite und für viele beginnt die schönste Zeit des Jahres. Doch mit den heißen Tagen wächst auch die Belastung für unseren Körper. Besonders während einer Hitzewelle verliert unser Organismus nicht nur Flüssigkeit – sondern auch wichtige Mineralstoffe und Elektrolyte.
Viele Menschen achten im Sommer darauf, ausreichend zu trinken. Das ist wichtig. Doch Wasser allein reicht nicht immer aus. Denn mit jedem Tropfen Schweiß gehen Stoffe verloren, die für unsere Gesundheit, Leistungsfähigkeit und unser Wohlbefinden unverzichtbar sind.
In meiner langjährigen Tätigkeit als Apothekerin habe ich gerade während der Sommermonate immer wieder Menschen beraten, die über Müdigkeit, Schwindel, Kopfschmerzen oder Muskelkrämpfe klagten. Die Hitze wurde meist als alleinige Ursache vermutet. Tatsächlich steckt jedoch häufig ein Ungleichgewicht im Flüssigkeits- und Elektrolythaushalt dahinter.
Gerade deshalb lohnt es sich, einen genaueren Blick darauf zu werfen, was beim Schwitzen in unserem Körper passiert.
Schwitzen – die eingebaute Klimaanlage unseres Körpers
Viele empfinden Schwitzen als unangenehm. Dabei ist es ein faszinierender Schutzmechanismus. Steigt die Körpertemperatur an – sei es durch hohe Außentemperaturen, körperliche Aktivität oder Sport – produzieren unsere Schweißdrüsen Flüssigkeit. Verdunstet diese auf der Haut, entsteht Verdunstungskälte, die unseren Körper vor einer Überhitzung schützt. Ohne diesen Mechanismus könnten wir unsere Körpertemperatur nicht konstant halten. Der Preis dafür ist jedoch ein Verlust von Flüssigkeit und Elektrolyten. Je nach körperlicher Belastung und Außentemperatur können pro Stunde zwischen einem und zwei Liter Schweiß verloren gehen. Bei Ausdauersportlern oder Menschen, die körperlich arbeiten, sind unter extremen Bedingungen sogar noch höhere Mengen möglich.
Warum Elektrolyte so wichtig sind
Elektrolyte sind geladene Mineralstoffe, die zahlreiche lebenswichtige Aufgaben übernehmen.
Sie sorgen dafür, dass unsere Nervenzellen Signale weiterleiten können, Muskeln sich zusammenziehen, das Herz regelmäßig schlägt und Flüssigkeit dort bleibt, wo sie gebraucht wird – nämlich innerhalb unserer Zellen und Blutgefäße.
Gerade Natrium spielt dabei eine Schlüsselrolle.
Salz – lebensnotwendig statt bedenklich
Kaum ein Lebensmittel wird so kontrovers diskutiert wie Salz. Dabei besteht Kochsalz lediglich aus zwei lebenswichtigen Mineralstoffen: Natrium und Chlorid. Beide erfüllen im Körper zahlreiche Aufgaben.
Natrium
Natrium ist unverzichtbar für
- die Weiterleitung von Nervensignalen,
- das Zusammenspiel von Nerven und Muskeln,
- den Flüssigkeitshaushalt,
- die Regulation des Blutdrucks,
- die normale Funktion des Nervensystems.
Sinkt der Natriumspiegel zu stark ab, können Beschwerden auftreten wie:
- Müdigkeit
- Konzentrationsstörungen
- Kopfschmerzen
- Schwindel
- Muskelkrämpfe
- im Extremfall sogar Verwirrtheit oder Kreislaufprobleme.
Gerade während längerer Hitzeperioden werden diese Symptome häufig vorschnell der Wärme zugeschrieben, obwohl häufig ein Elektrolytverlust dahintersteckt.
Chlorid – der unterschätzte Partner
Auch Chlorid verdient mehr Aufmerksamkeit.
Es ist unter anderem Bestandteil unserer Magensäure (Salzsäure) und unterstützt dadurch die Verdauung sowie die Aufnahme verschiedener Nährstoffe. Darüber hinaus trägt Chlorid gemeinsam mit Natrium zur Regulation des Flüssigkeitshaushalts bei.
Wasser allein ist nicht immer die Lösung
Wer stark schwitzt, verliert vor allem Wasser und Natrium.
Wird anschließend ausschließlich Wasser getrunken, kann dies den Natriumgehalt im Blut weiter verdünnen. Im Extremfall kann eine sogenannte Hyponatriämie entstehen – ein Natriummangel, der insbesondere bei Ausdauersportlern oder Menschen, die über Stunden stark schwitzen und sehr große Mengen Wasser trinken, beobachtet werden kann.
Zum Glück ist dies im Alltag selten. Dennoch zeigt es eindrucksvoll, dass unser Körper nicht nur Flüssigkeit benötigt, sondern auch die Mineralstoffe, die mit dem Schweiß verloren gehen.
Deshalb ist es gerade an heißen Sommertagen sinnvoll, nicht nur auf die Trinkmenge zu achten, sondern auch auf eine ausreichende Versorgung mit Elektrolyten.
Meine Erfahrung aus der Apotheke
Viele Menschen trinken im Sommer deutlich mehr als gewöhnlich und fühlen sich trotzdem erschöpft.
In der Beratung zeigte sich immer wieder: Sobald neben der Flüssigkeit auch der Elektrolythaushalt berücksichtigt wurde, besserten sich Beschwerden wie Kopfschmerzen, Schwindel oder Muskelkrämpfe häufig deutlich.
Deshalb lautet meine Empfehlung nicht einfach: „Mehr trinken.“
Sondern:
„Ausreichend trinken – und dabei den Elektrolythaushalt im Blick behalten.“
Fazit
Nicht jeder braucht täglich Elektrolytpräparate. Bei starkem Schwitzen, intensiver körperlicher Belastung oder an sehr heißen Tagen können sie jedoch eine sinnvolle Möglichkeit sein, den Elektrolythaushalt gezielt zu unterstützen. Entscheidend ist, den tatsächlichen Bedarf zu berücksichtigen und auf eine ausgewogene Versorgung mit Flüssigkeit und Mineralstoffen zu achten.
Denn Gesundheit beginnt dort, wo wir unseren Körper verstehen.
Herzlichst, deine Nicole
➡️ Ausblick
Im nächsten Teil der Sommer-Serie erfährst du, warum Salz oft zu Unrecht verteufelt wird, welche Aufgaben Natrium im Körper wirklich übernimmt und weshalb die Aussage „Salz ist ungesund“ viel zu kurz greift.
📚 Quellen & wissenschaftliche Grundlagen
Für diesen Beitrag wurden aktuelle wissenschaftliche Fachliteratur, Leitlinien und anerkannte Referenzwerke herangezogen. Die wichtigsten Quellen findest du nachfolgend.
EFSA Panel on Nutrition, Novel Foods and Food Allergens (NDA). Dietary Reference Values for sodium. EFSA Journal. 2019;17(9):5778. doi:10.2903/j.efsa.2019.5778.
Strohm D, Bechthold A, Isik N, et al. Revised reference values for the intake of sodium and chloride. Ann Nutr Metab.2018;72(1):12–17. doi:10.1159/000484355.
Spasovski G, Vanholder R, Allolio B, et al. Clinical practice guideline on diagnosis and treatment of hyponatraemia. Eur J Endocrinol. 2014;170(3):G1–G47. doi:10.1530/EJE-13-1020.
EFSA Panel on Dietetic Products, Nutrition and Allergies (NDA). Scientific Opinion on Dietary Reference Values for potassium. EFSA Journal. 2016;14(10):4592. doi:10.2903/j.efsa.2016.4592.
EFSA Panel on Dietetic Products, Nutrition and Allergies (NDA). Scientific Opinion on Dietary Reference Values for magnesium. EFSA Journal. 2015;13(7):4186. doi:10.2903/j.efsa.2015.4186.
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