Muskelkrämpfe – warum Magnesium nicht immer die Antwort ist

Veröffentlicht am 31. August 2026 um 17:08

Ein Muskelkrampf kommt meistens ungelegen: beim Sport, nachts im Bett, nach einer langen Wanderung oder gerade dann, wenn man ihn überhaupt nicht brauchen kann.

Und fast reflexartig kommt die Erklärung:

„Mir fehlt bestimmt Magnesium.“

Magnesium kann eine Rolle spielen. Aber ein Muskelkrampf ist wesentlich komplexer als ein einfacher „Magnesiummangel-Alarm“.

Gerade bei Krämpfen während körperlicher Belastung spielen neuromuskuläre Ermüdung und die Steuerung von Nerven und Muskeln eine wichtige Rolle. Flüssigkeits- und Elektrolytverluste können je nach Situation zusätzlich relevant sein. 

Was passiert bei einem Muskelkrampf?

Normalerweise funktioniert das Zusammenspiel von Nerv und Muskel sehr präzise.

Bei einem Krampf gerät diese fein abgestimmte Regulation aus dem Gleichgewicht: Der Muskel zieht sich unwillkürlich und schmerzhaft zusammen und entspannt nicht sofort wieder.

Besonders bei belastungsbedingten Krämpfen scheint die Ermüdung des neuromuskulären Systems eine wichtige Rolle zu spielen.

Und was ist mit den Elektrolyten?

Natrium, Kalium und Magnesium sind für die normale Funktion von Nerven und Muskeln wichtig.

Bei starkem Schwitzen verlieren wir Elektrolyte – insbesondere Natrium. Deshalb kann die Versorgung mit Flüssigkeit und Elektrolyten bei langen, intensiven Belastungen und großer Hitze relevant werden.

 

Magnesium – wichtig, aber kein Universalheilmittel

Magnesium brauchen wir für die normale Funktion von Muskeln und Nervensystem. Ein tatsächlicher Magnesiummangel kann deshalb mit Muskelbeschwerden und Krämpfen einhergehen.

Aber daraus lässt sich nicht ableiten:

Muskelkrampf = Magnesiummangel.

Das bedeutet nicht, dass Magnesium unwichtig ist – sondern:

Nicht jeder Krampf braucht zusätzliches Magnesium.

Bei einem tatsächlichen Mangel oder erhöhtem Bedarf kann eine Ergänzung natürlich sinnvoll sein.

Die Ursache entscheidet.

Wenn Muskelbeschwerden unter der Einnahme von Statinen auftreten

Statine sind häufig eingesetzte Medikamente zur Senkung erhöhter Cholesterinwerte und zur Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Zu den bekanntesten Wirkstoffen gehören Simvastatin, Atorvastatin und Rosuvastatin.

Muskelbeschwerden in Form von Muskelschmerzen, Schwäche oder auch Krämpfe gehören zu den bekannten möglichen Nebenwirkungen einer Statintherapie. 

Hier möchte ich meine persönliche Erfahrung aus der Praxis teilen:

In meiner langjährigen pharmazeutischen Tätigkeit habe ich immer wieder Menschen erlebt, bei denen Muskelbeschwerden zeitlich mit einer Statintherapie auftraten.

In den meisten Fällen hat sich die Situation nach einer ergänzenden Einnahme von Coenzym Q10 innerhalb relativ kurzer Zeit deutlich verbessert.

Coenzym Q10 – warum kann es sinnvoll sein?

Coenzym Q10 spielt eine wichtige Rolle bei der Energiegewinnung in unseren Zellen. Unter einer Statintherapie können die Q10-Konzentrationen im Blut sinken. Deshalb wird Q10 als möglicher Ansatz bei statinassoziierten Muskelbeschwerden diskutiert. 

Die Studienlage ist allerdings nicht eindeutig: Eine Metaanalyse aus dem Jahr 2020 fand keinen signifikanten Vorteil von CoQ10 gegenüber Placebo. Eine Metaanalyse aus dem Jahr 2018 zeigte dagegen Verbesserungen verschiedener statinassoziierter Muskelsymptome, darunter Muskelschmerzen, Muskelschwäche, Muskelkrämpfe und muskuläre Ermüdung. Eine neuere Metaanalyse aus dem Jahr 2025 fand ebenfalls eine signifikante Reduktion der Muskelschmerzen. Aufgrund der teilweise kleinen Studien und der unterschiedlichen Ergebnisse sehen die Autoren jedoch weiteren Forschungsbedarf.

Meine Praxiserfahrung ist dennoch der Grund, warum ich Coenzym Q10 bei entsprechenden Beschwerden für einen interessanten Ansatz halte.

Wichtig: Statine sollten bei Muskelbeschwerden nicht eigenständig abgesetzt werden.

 

Wenn Krämpfe immer wieder auftreten, sehr stark sind oder ohne erkennbare Belastung entstehen, sollte man genauer hinschauen. Dann können neben Ernährung und Elektrolyten auch Medikamente, Trainingszustand, Muskelermüdung oder andere Ursachen eine Rolle spielen.

Was bedeutet das für den Sommer?

Bei großer Hitze und starkem Schwitzen sollten wir Flüssigkeit und Elektrolyte im Blick behalten.

Aber bitte nicht bei jedem Krampf automatisch denken:

„Ich brauche Magnesium.“

Vielleicht.

Vielleicht ist aber auch die Belastung ungewohnt, der Muskel übermüdet, die Regeneration unzureichend oder ein Medikament beteiligt.

Der bessere Ansatz ist deshalb: erst die mögliche Ursache betrachten – dann gezielt ergänzen.

 

Fazit

Ein Muskelkrampf bedeutet nicht automatisch Magnesiummangel.

Magnesium ist wichtig für Muskeln und Nerven. Bei belastungsbedingten Krämpfen spielen jedoch auch neuromuskuläre Ermüdung, Trainingszustand sowie – je nach Situation – Flüssigkeit und Elektrolyte eine Rolle. 

Und wenn Muskelbeschwerden unter einer Statintherapie auftreten, lohnt sich ebenfalls ein genauerer Blick. Coenzym Q10 ist hier ein interessanter Ansatz, auch wenn die wissenschaftliche Evidenz derzeit noch nicht komplett eindeutig ist.

 

Für mich gilt deshalb:

Nicht jeder Krampf braucht ein Präparat. Aber jeder wiederkehrende Krampf verdient eine Ursache.

 

 

Herzlichst, deine Nicole

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Elektrolyte gezielt einsetzen
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➡️ Ausblick

Im letzten Teil der Sommer-Serie wird es ganz praktisch:

Wann sind Elektrolyte tatsächlich sinnvoll – und wann reicht eine ausgewogene Ernährung völlig aus?

Wir schauen uns an, wann unser Körper bei Hitze, Sport und starkem Schwitzen mehr braucht, worauf es bei Elektrolytpräparaten ankommt und für wen eine gezielte Ergänzung sinnvoll sein kann.

Denn nicht jeder braucht Elektrolyte – aber manchmal braucht unser Körper mehr als nur Wasser.


📚 Quellen & wissenschaftliche Grundlagen

Schwellnus MP. Cause of exercise associated muscle cramps (EAMC)—altered neuromuscular control, dehydration or electrolyte depletion? Br J Sports Med. 2009;43(6):401–408.

Garrison SR, Korownyk CS, Kolber MR, et al. Magnesium for skeletal muscle cramps. Cochrane Database Syst Rev.2020;9:CD009402. doi:10.1002/14651858.CD009402.pub3. 

Kennedy C, Köller Y, Surkova E. Effect of Coenzyme Q10 on statin-associated myalgia and adherence to statin therapy: a systematic review and meta-analysis. Atherosclerosis. 2020;299:1–8. doi:10.1016/j.atherosclerosis.2020.03.006. 

Qu H, et al. Effects of Coenzyme Q10 on Statin-Induced Myopathy: An Updated Meta-Analysis of Randomized Controlled Trials. J Am Heart Assoc. 2018. 

Kovacic S, Habicht SD, Eckert GP. Effects of coenzyme Q10 supplementation on myopathy in statin-treated patients: a systematic review and meta-analysis. J Nutr Sci. 2025;14:e72. doi:10.1017/jns.2025.10043. 


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